Tipps
Missglückte Integration?
Manfred Oberlechner (Hg.): Die missglückte Integration?
Wege und Irrwege in Europa, Braumüller, Wien 2006.
Bewusst keine eindeutige Antwort auf die skeptische und politisch
brisante Titelfrage „Die missglückte Integration?“ liefert der
Sammelband von Beiträgen, die großteils auf einem Symposion der
Salzburger arbeitsmarktpolitischen Betreuungseinrichtung „VeBBAS“
2005 präsentiert wurden. Ziel des Bandes ist es statt dessen,
unterschiedliche Einblicke in Praxis und Theorie von
Integrationsarbeit zu bieten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der
Situation von MigrantInnen am Arbeitsmarkt – in der zweiten Hälfte
des 20. Jahrhunderts und aktuell – sowie auf Fragen
institutioneller Integration wie zum Beispiel der Bedeutung von
Selbstorganisationen von MigrantInnen.
Interessant ist dabei insbesondere der Bezug auf konkrete
Situationen und konkrete Projekte, vor allem in Salzburg aber auch
in anderen Bundesländern. Wie immer aufschlussreich sind auch die
Beiträge von Rainer Bauböck und Heinz Fassmann.
Holprig gerät allerdings der versuchte Brückenschlag zu den
weiteren, für sich alleine gesehen interessanten, Kapiteln mit
historischen und exiltheoretischen Fragestellungen. Anstelle von
Arbeits-MigrantInnen und ihren Nachfolgen geht es bspw. um die
„Integration und Desintegration“ der jüdischen Bevölkerung
Österreichs.
Die angestrebte Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis gelingt
nicht, die Beiträge stehen nebeneinander und korrespondieren nicht
miteinander, selbst das Schlagwort „Integration“ wird sehr
unterschiedlich gebraucht.
Essentiell für eine erfolgreichere Integrationsarbeit in Österreich
wäre gerade allerdings ein gemeinsamer Diskurs von Wissenschaft,
Praxis und Politik. Es braucht derartige Projekte, um die gängige
Praxis in der gesellschaftlicher Debatte, dass man von
„Integration“ spricht, aber Assimilation meint und von MigrantInnen
einfordert, aufzubrechen. – Denn, dies zeigt auch dieses Buch
deutlich, erfolgreiche Integration ist kein „Glücksfall“, sondern
Ergebnis gesellschaftspolitischer Maßnahmen.
Nikola Ornig



