09.05.2010:
Bei der diesjährigen Gedenk- und Befreiungsfeier in Mauthausen nahmen Jugendliche mit einem 50 Meter langen, selbst gestalteten Gedenkband teil. Dieses Gedenkband entstand bei der Jugendbegegnung "Zeichen setzen", die von Bundesjugendvertretung und Mauthausen Komitee Österreich organisiert wurde.
Bei dieser Jugendgedenkveranstaltung hatten Jugendliche Gelegenheit, mit einem Überlebenden des KZ Mauthausen zu sprechen, außerdem gab es Führungen durch die Gedenkstätte mit dem Schwerpunkt Jugend. Am Nachmittag konnten die Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren ihre Eindrücke des Tages und ihre Botschaften auf einem 50 Meter langen Gedenkband verewigen, das bei der Gedenkfeier präsentiert wurde. Insgesamt nahmen am Jugendgedenkmarsch über die Todesstiege rund 1000 Jugendliche teil!
Hier gehts zu den Fotos von der Veranstaltung!
Mehr Bilder gibts bei einer Rückblicksveranstaltung am 1. Juni 2010 im Albert Schweitzer Haus (Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien) zu sehen! Beginn: 18:30 Uhr.
Rodaina El Batnigi, Vorsitzende der BJV, betonte in ihrer Rede bei der 65. Gedenk- und Befreiungsfeier in Mauthausen, wie wichtig dieses Zeichen gegen das Vergessen ist.
Die Rede im Wortlaut:
"Wir sind heute hier, um 65 Jahre nach der Befreiung dieses Konzentrationslagers, insbesondere an die Kinder und Jugendlichen zu erinnern. Kindheit und Jugend im Konzentrationslager, Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus... was hieß das für die zahlreichen Kleinkinder, Jugendlichen und Heranwachsenden?
DIE EINE Kindheit oder Jugend im Nationalsozialismus gab es nicht. Die Lebensrealitäten für junge Menschen waren zu dieser Zeit sehr unterschiedlich. Ein Aspekt ist, dass hier im KZ Mauthausen im März 1945 noch 15.000 junge Menschen namentlich registriert waren und zuvor schon viele verfolgt und ermordet worden waren. Kleinkinder wurden schnell Opfer des Systems, weil sie nicht für dessen Zwecke, für Arbeitsleistungen herhalten konnten. Viele wurden für medizinische Experimente missbraucht. Kinder und Jugendliche wurden aber auch gezielt und akribisch in das System involviert und für die Ideologie des Nationalsozialismus instrumentalisiert, sei es durch Hitlerjugend oder Bund Deutscher Mädel.
Aber auch das ist nur eine Seite...Denn Kinder und Jugendliche waren auch stark im Widerstand vertreten. Sie lehnten sich gegen das System auf, machten NICHT mit, sie sagten NEIN. Ganze Widerstandsgruppen wurden von ihnen getragen. So unterschiedlich die unzähligen Schicksale von jungen Menschen im Nationalsozialismus waren - eines haben sie alle gemeinsam: die Kindheit wurde ihnen genommen.
Jugendliche wollen heute an diese Schicksale erinnern, sich mit ihnen auseinander setzen, der Geschichte ein Bild geben. Das ist der Grund, warum wir heute hier sind. Zahlreiche junge Menschen haben an einer Jugendbegegnung im Vorfeld dieser Befreiungsfeier teilgenommen - um ein Zeichen zu setzen:
Ein Zeichen gegen das Vergessen,
Ein Zeichen gegen Ausgrenzung,
Ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz!
Dementsprechend wollen wir auch ein Zeichen setzen
Für das Erinnern und Wachhalten der Geschichte!
Für Toleranz und Respekt!
Wir wollen die Erinnerung der Überlebenden weitertragen. Dass Vergangenes nicht einfach vergessen werden darf, zeigen Vorfälle an Orten der schlimmsten Gräuel der Geschichte, bei denen Hassparolen kundgemacht und an Wände geschmiert wurden, sogar hier in Mauthausen. Solche Aktionen dürfen nicht einfach beiseite gewischt werden. Geschichte muss immer wieder thematisiert werden, das zeigen jüngste Tendenzen, wo das Verbotsgesetz und der antifaschistische Grundkonsens öffentlich angezweifelt werden.
Wir sagen hier eindeutig: Stopp!
Auch die Politik muss hier Verantwortung übernehmen und darf solchen Tendenzen keinen Platz geben.
Wir haben hier heute ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt, um vor dem Schüren von Hass und der Hetze gegen andere Menschen zu warnen. Das Schüren von Angst und das Gefühl der Bedrohung vor dem Fremden bergen große Gefahren und gehören nicht nur der Vergangenheit an. Sie bringen uns auch heute dazu, Menschen aus vermeintlich rationalen Gründen von uns WEGzuschieben und im wahrsten Sinne des Wortes ABzuschieben. Damit ausgrenzende Ideologien keinen Nährboden haben, müssen wir aufeinander zugehen und die Angst vor dem sogenannten Fremden ablegen. Nur so können wir - als nachfolgende Generation - aus der Vergangenheit die Lehren ziehen."
Rodaina El Batnigi (BJV-Vorsitzende)

