Jung und arm
Im Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung wird in den Diskussionen all zu oft das junge Gesicht der Armut übersehen. Die Bundesjugendvertretung (BJV) hat es sich daher zum Ziel gemacht, die spezifische Situation von armen und armutsgefährdeten Kindern und Jugendlichen zu thematisieren und sich im Kampf gegen Kinder- und Jugendarmut zu engagieren.
Armut ist in unseren Augen kein Einzelschicksal, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem sowie das Ergebnis verfehlter Sozialpolitik und mangelnder Umverteilung. In unserem Positionspapier gegen Armut und soziale Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen schlagen wir Lösungsansätze vor, die eine gerechtere Verteilung von Lebenschancen und sozialer Beteiligung zum Ziel haben. All das sind Voraussetzungen für gesellschaftlichen Frieden.
Laut Statistik Austria sind in Österreich derzeit rund 250.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren armutsgefährdet (= 15 Prozent). Keine andere Bevölkerungsgruppe ist derart von Armut bedroht. Mehr als sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen (rund 113.000) sind in Österreich als akut arm einzustufen.
Armut ist in reichen Ländern, wie Österreich, ein „relatives" Phänomen: Armut wird hier nicht als Kampf ums Überleben definiert, sondern als Möglichkeit einer menschenwürdigen Existenz. Die Kategorie „menschenwürdig" richtet sich dabei nach dem jeweiligen Lebensstandard einer Gesellschaft. „Deprivation" (so der Fachbegriff für Armut) liegt dann vor, wenn Betroffene sich nicht die Konsumgüter und Dienstleistungen leisten können wie der Durchschnitt der Bevölkerung.
Was heißt das nun konkret? Kinder und Jugendliche, die in Österreich von Armut betroffen sind, stammen meist aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau. Sie leben oft in kleinen Wohnungen und schlechten Wohngegenden mit mangelhafter Anbindung und hoher Umwelt- oder Lärmbelastung.
Armut manifestiert sich nicht nur monetär, sondern auch materiell, sozial, kulturell, psychisch - deshalb beziehen wir uns bei unserer Position auf einen breit angelegten Begriff von Armut. Armutserfahrungen von Kindern und Jugendlichen hängen ebenso mit der Erfahrung sozialer Ausgrenzung zusammen: Sie können nicht mithalten (bspw. Mode) und mitmachen (bspw. Computer, Schullandwoche) und dafür schämen sie sich. Auch die Familiensituation ist oft sehr belastet und die Kinder leiden unter psychischen Problemen.
Leider sieht für betroffene junge Menschen nicht nur die Gegenwart sondern auch die Zukunft schlecht aus, denn sie sind mit einem Kreislauf von schlechten Bildungs- und Zukunftschancen sowie damit zusammenhängender Armutsgefährdung im Erwachsenenalter konfrontiert.
Konkrete Lösungsansätze finden sich im BJV-Positionspapier gegen Armut und soziale Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen.

